11.12.11

#SampleSunday - Renntag in Kruschar

Jaguar verlässt die Welt
1
Haut ... weiß wie Knochen.“
Jaguar schob sich näher an den Besucher heran, der im Kreis der Männer seine Geschichte erzählte. Wenn er doch nur etwas lauter sprechen würde. Oder seinen Kopf aus dem Schatten nehmen.
„Anblick ... Haut nicht ertragen ... zweite Haut ... Kopf bis Fuß ... Geschenke.“
Noch ein Stückchen näher ...
Makakis Kopf fuhr herum, als Jaguar mit dem Fuß das Bein seines Bruders berührte. „Du hast im Kreis der Männer nichts verloren!“ Jaguar hörte ihn nicht, las nur von seinen Lippen.
Auch Vater von Beißfisch, der Lehrer seines Bruders, schaute ihn an. Der Blick ließ Jaguar zusammenzucken, er kroch zu den anderen Knaben zurück, neben Alligator, seinen Vaterbrudersohn.
Makaki war nicht, wie ein großer Bruder sein sollte! Er wusste genau, dass Jaguar von hier aus kein Wort verstehen konnte. Dabei war er fast schon Jungmann wie Makaki. Nicht mehr lange, und er dürfte auch bei den Männern sitzen.
Er blickte zu Vater hinüber, der mit seiner Schamanenfederhaube auf dem Kopf neben dem Häuptling saß. Vater schien nichts bemerkt zu haben.
Jaguar stand auf und ging zu den Hängematten, zog unterwegs sein kleines Steinmesser aus der Scheide, die an einem Lederriemen um seinen Hals hing, und lehnte sich an den Pfahl, an dem die Hängematte seines Bruders festgeknotet war. Mutter mit dem Neugeborenen und seine kleinen Schwestern Tukan und Ara lagen in der nächsten Matte, aber sie achteten nicht auf ihn. Ohne Makaki aus den Augen zu lassen, zog Jaguar die Klinge ein paar Mal über die geflochtenen Palmblätter, wo sie am Pfahl verknotet waren, so dass nur noch wenige Fasern die Matte hielten.
Morgen würden er und Alligator das Habono verlassen, würden für eine Handvoll Sonnen in den Wald gehen, damit ihre Nachtseelen sie fanden.
Jaguar seufzte. Ohne Nachtseele konnte er nicht Jungmann werden. Aber würde seine Nachtseele überhaupt einen Jungen wollen, der ihren Ruf kaum hören konnte?
Vor zwei Händen und fast einem Sommer war er geboren worden, einen Sommer früher als Alligator. Sie waren immer Freunde gewesen. Alligator, der Sohn des Häuptlings, und er, der Sohn des Schamanen.
Vater hatte schnell gemerkt, dass er kaum hören konnte, und begann ihn zu lehren, noch bevor er laufen konnte. Wie er das Hekuraauge nutzen konnte zuallererst. Das half, auch wenn viele Männer Jaguar schräg anguckten und einige laut forderten, er solle getötet werden. Männer wie Vater von Beißfisch, der beste Jäger und Lehrer seines Bruders.
Aber Jaguar war der zweite Sohn von einem zweiten Sohn von einem zweiten Sohn, und jeder wusste, dass die Zwei etwas Besonderes ist und dass die Kräfte in einem zweiten Sohn stark sind. Zwei Augen hat der Mensch, zwei Ohren, zwei Arme, zwei Beine. Die Frau hat zwei Brüste, der Mann zwei Sackkugeln.
Und, vielleicht am Wichtigsten, zwei Menschen wurden gebraucht, um einen dritten zu machen.
Eine sanfte Berührung an seinem Arm brachte ihn in die Wirklichkeit zurück. Alligator stand neben ihm, sah das Messer in seiner Hand und grinste.
Manchmal beneidete er Alligator. Sein Freund war ein guter Jäger. Auf viele Schritt Entfernung hörte er das Wild. Wäre Makaki nicht schon der Schüler von Vater von Beißfisch, Alligator wäre es geworden.
„Morgen“, flüsterte Jaguar und Alligator nickte.

2
Die Versammlung war zu Ende, der Besucher folgte dem Häuptling zu seiner Feuerstelle. Vater und Makaki kamen auf Jaguar zu, Mutter stand auf und schob den Topf näher an das Feuer. Schnell ging er vom Pfahl weg und hockte sich vor die Flammen.
„Schon wieder Hunger?“, las er von Mutters Lippen. Sie lächelte.
Vater legte ihm die Hand auf die Schulter. „Morgen geht er in den Wald. Da muss er vorher genug essen“, sagte er so laut, dass Jaguar ihn verstand, ohne seinen Mund zu sehen.
Jaguar nahm sich einen Löffel und schöpfte aus dem Topf, ließ dabei aber nicht Makaki aus den Augen, der sich in seine Hängematte setzte, sich zurücklegte und abstieß, um zu schaukeln.
Einen Herzschlag lang hielten die angeschnittenen Palmblätter noch, dann rissen sie und Makaki plumpste zu Boden.
Ara und Tukan brachen in helles Lachen aus, Vater lachte, Mutter lachte. Auch Jaguar lachte, aber gleichzeitig sprang er auf und rannte, Makaki hinter ihm her. Er jagte durch einen der niedrigen Ausgänge aus dem Habono, hinein in den Wald.
Makakis drei Sommer älteren Beine waren viel länger als Jaguars. Makaki warf ihn zu Boden und stieß sein Gesicht in den Schlamm. „Nichtsnutz!“, schrie er laut direkt in sein Ohr. „Du wirst nie ein richtiger Mann! Du kannst nicht jagen! Du kannst nicht gegen unsere Feinde ziehen! Du kannst gar nichts!“
Jaguar strampelte mit Armen und Beinen, aber Makaki ließ ihn nicht los. „Du bist ein Nichts und du bleibst ein Nichts! Nie wird deine Nachtseele dich finden, nie wirst du eine Hüftschnur tragen dürfen. Immer wirst du nackt bleiben!“
Jaguar konnte nicht atmen und langsam bekam er es mit der Angst.
„Du bist doch selber nackt, Makaki!“
Alligator war da!
„Wo hast du deine Hüftschnur verloren?“
Der Druck auf Jaguars Kopf ließ nach, er hob das Gesicht aus dem Schlamm, sog tief die Luft ein. Alligator stand zwei Schritte entfernt, er schaute Makaki an, ein breites Grinsen auf seinem Gesicht. Makaki sprang hastig auf und rannte zum Habono zurück.
„Makaki ist nahackt! Makaki ist nahackt!“, rief Alligator.
„Makaki ist nahackt!“, schrie auch Jaguar seinem Bruder nach, bis Makaki durch den Eingang verschwand.
Morgen würde Makaki alles wieder vergessen haben. Er war schnell wütend, aber er verzieh auch schnell. (...)

Leseprobe aus: "Renntag in Kruschar". Episode: "Jaguar verlässt die Welt". Fantasy. E-book. Erhältlich im Amazon Kindle Shop, bei Thalia, Weltbild, BILD.de,  iTunes, Kobo, Google Play für den NOOK, bei Sony und Smashwords, Beam E-books, Xinxii , Casa del libro und anderen Plattformen.
Worldwide: Besides all iTunes Stores at the US Kindle Store and British Kindle Store, the French Boutique, and the new Italian Kindle Store ITALIANO  and the Spanish Kindle Tienda;

4.12.11

#SampleSunday - Der Drache und die Prinzessin

 Eine Prinzessin hat Angst vor einem Drachen, der in ihrem Reich aufgetaucht ist. Darum schickt sie ihre Soldaten und Ritter gegen ihn ins Feld. Elfen versuchen vergeblich, ihm zu helfen. So sieht der Drache sich gezwungen, zum Feind der Prinzessin zu fliehen. Wird er sich damit retten können?
Die junge Autorin hat die Geschichte in der einfachen Sprache von Kindern geschrieben. Sie ist daher auch gut für Leseanfänger geeignet.

Leserstimmen: 
 "Schön fand ich, dass es kein Schwarz und Weiß gibt. Die Prinzessin ist nicht böse, weil sie in den Krieg zieht und der Drache ist es nicht, weil er ihr Angst einjagt und dennoch sieht jeder im anderen das Böse. Elfen diskutieren, welche Seite die richtige wäre und sind sich dennoch nicht sicher über ihre Entscheidung.
Daher regt die Geschichte die Kinder zum Nachdenken an..."

"Erstaunlich finde ich, dass sie solche Familiengefüge einbaut und die Prinzessin sich hier nicht auf ihren Mann oder Vater verlässt, sondern selbst etwas unternimmt. Für junge Mädchen ist das sicherlich ein Vorbild, selbst etwas in die Hand zu nehmen und sich nicht immer auf die Männer zu verlassen." 

"(...) Am nächsten Tag gehen die Elfen in die Berge. Dort treffen sie den Drachen.

Blejan Meraud sagt: „Wir haben gehört, dass du den Armen hilfst. Ist das wahr?“

Puff antwortet: „Ja, ich helfe den armen Leuten.“

Jago Jory fragt: „Wie hilfst du ihnen?“

Puff sagt: „Ich teile meinen Goldschatz. Aber jetzt habe ich Angst, mich blicken zu lassen.“

Also schlägt Jago Jory vor: „Wenn du möchtest, bringen wir deinen Goldschatz in die Dörfer zu den Armen.“

Dann geht Jago Jory in ein Dorf. Der Elf gibt den Bauern, die er trifft, viel von dem Goldschatz.

Anschließend gibt Jago Jory dem Drachen zurück, was vom Goldschatz übrig ist.



Danach gehen die Elfen ins Feldlager.

Am Feldlager angekommen, hält ein Soldat sie an. Er sagt: „Was macht ihr hier?“

Jago Jory sagt: „Wir möchten mit Scott sprechen.“

Scott sagt: „In Ordnung; aber zuerst setzen wir uns auf die Wiese.“

Auch der Ritter Giuseppe kommt heraus und alle setzen sich hin.

Blejan Meraud sagt: „Der Drache ist artig, denn er schenkt seinen Goldschatz den Armen unseres Reiches. Also jagt ihn nicht fort; in Ordnung? Eines Tages wird der Drache von alleine in die Berge gehen, wo die anderen Drachen sind. Und er bleibt in den Bergen.“

Scott antwortet: „Ich muss die Befehle der Prinzessin ausführen.“

Giuseppe jedoch macht ein nachdenkliches Gesicht.



***



Aber Puff hat immer noch Angst vor den Soldaten; daher beschließt er, in das Reich des Feindes von König Frédéric, des Herzogs José, zu gehen.

Puff durchquert den Wald und die Berge, bis er das Reich des Feindes erreicht.

Puff fragt Herzog José, der das Reich des Feindes regiert: “Willst du mir helfen?“

Der Herzog sagt: „Ja.“

Also gibt Puff ihm den Rest des Goldschatzes.

So kann Herzog José Waffen kaufen gehen, um das Reich des Königs Frédéric anzugreifen. In den Zwischenzeit bleibt Puff in einem Wald, der sich in der Nähe von Narbonne befindet. (...)"

Rezensionen zur deutschen Ausgabe stehen im E-Book-Blog und auf Amazon
 
Caterina Nikolaus: Der Drache und die Prinzessin. Phantastische Erzählung. E-Book.
Als E-Book in allen Amazon Kindle Stores: dem deutschen, amerikanischen, englischen, französischen, italienischen und spanischen.
In der EPUB-Version bei Kobo, PagePlaceGoogle Play,bei iTunes in allen lokalen Stores, bei SonyDiesel,
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Zudem sind auf Amazon auch zweisprachige Taschenbuch-Ausgaben erhältlich: und zwar deutsch-italienisch
und deutsch-französisch

27.11.11

#SampleSunday - "Magische Geschichten": Weltweite Weihnachten


„Nein, und nochmals nein!“ Erbost hieb die Hexe Befana ihren Besen auf den Konferenztisch. „Ich bin jetzt fast dreitausend Jahre im Geschäft. Aber soviel Scheinheiligkeit ist mir noch nicht untergekommen.“
„Aber Befana, es war doch nur ein Vorschlag, künftig ins Ausland zu gehen“, versuchte das Christkind sie zu beschwichtigen. „Es muss doch auch in deinem Interesse sein, neue Absatzmöglichkeiten zu erschließen.“
„Hah! Jetzt, nachdem ihr mir den einheimischen Markt kaputt gemacht habt, kommt ihr damit! Unzählige Generationen von italienischen Kindern waren glücklich und zufrieden mit den Geschenken, die ich ihnen am 6. Januar brachte.“
„Wenn sie jetzt nicht mehr damit zufrieden sind, solltest du schleunigst überlegen, mit welchen Innovationen du  die Nachfrage förderst,“ warf Nikolaus ein.
„Das brauche ich nicht zu überlegen“, giftete Befana ihn an. „Meine Geschenke sind so gut wie eh und je. Solide Trentiner Handwerksarbeit. Aber ihr, ihr habt die Kinder unersättlich gemacht; erst das Christkind mit immer bombastischeren Weihnachtsgeschenken! In den letzten Jahrhunderten heizt du zusätzlich den Konsumrausch an, weil du schon einen Monat vor mir mit der Schenkerei anfängst. Und seit einigen Jahrzehnten drängt sich auch noch Lucia dazwischen, statt in ihrem Schweden zu bleiben, wo sie hingehört.“
„Ach Befana, wie gerne würde ich mich auf den schwedischen Markt beschränken. Bei dir gibt es ja nicht einmal überall Schnee.“
„Und hell ist es in Italien auch im Winter“, trumpfte Befana auf. “In Wirklichkeit braucht kein Mensch hier deine Lichter. – Konsumterror – nichts als Konsumterror.“
Lucia brach in Tränen aus: „Was soll ich denn machen? In Schweden gibt es jetzt überall elektrische Beleuchtung, in den Häusern und auf den Straßen. Mein Lichterfest ist nur noch Folklore für die Touristen. Ich bin immer weniger gefragt.“
Di-ver-si-fi-ka-tion,“ machte sich Knecht Ruprecht wichtig. „Das wäre die richtige Strategie gewesen. Aber inzwischen hast du dafür den Anschluss verpasst.“
„Ja, du Oberstratege!“ Jetzt wurde auch Lucia zornig.(...)

 Leseprobe aus: "Magische Geschichten". Anthologie. 
Als Taschenbuch: Die Print-Ausgabe ist bei Amazon erhältlich: auf allen europäischen und der amerikanischen Seite.
Als E-Book bei Google Play, Kobo, im Amazon Kindle Shop, auf iTunes, PagePlace bei  Smashwords, Beam eBooks soie bei Weltbild, Thalia, BILDebooks und weiteren Plattformen.
Worldwide: Auf internationalen Plattformen wie Kindle USA, Kindle UK , La Boutique Kindle , für den NOOK , im spanischen Casa del Libro, Diesel

20.11.11

#SampleSunday - Renntag in Kruschar

Wetten und Rennen

„Wie bitte? Du warst dir nicht sicher?”
Hollor schob den Kopf aggressiv vor und starrte Wribald ins Gesicht. Dann zog er deutlich hörbar Spucke im Mund zusammen und rotzte neben Wribalds rechten Fuß. Der verzog keine Miene, aber Sondria konnte ein Schaudern nicht unterdrücken. Hollor fixierte weiterhin stur Wribalds Augen, aber am Zucken seines Mundwinkels und der Augenbraue konnte sie sehen, dass ihm ihr Abscheu nicht entgangen war.
„Was genau war dir unklar an meinem Befehl? Der 'Findet sie, tötet sie und bringt mir ihre Beute'-Teil? Oder war es 'Findet sie, tötet sie und bringt mir ihre Beute“?'
Sie senkte den Kopf. So hatte sie sich das nicht vorgestellt, ihre erste Begegnung mit den glorreichen Rebellen, den Helden vom Ufer des Mondaugensees.
Die zerlumpten Gestalten, die sich um die beiden scharten, kicherten Zustimmung. Sondria holte tief Luft.
„Ist dir nach der Denk- nun auch die Sprachfähigkeit abhanden gekommen?” Hollor warf den Kopf in den Nacken und seufzte übertrieben. Dann wandte er sich betont langsam ihr zu; sie konnte seine Stiefelspitzen sehen, die sich in ihre Richtung drehten.
„Und wenn das mal nicht das Hürchen der Hexe ist. Statt der Dracheneier bringst du mir ein Weib. Typisch!”
Sondria schleuderte ihr Haar zurück und ihre Hand fuhr automatisch zum Kurzschwert an ihrer Hüfte. Oder genauer: dahin, wo es hätte sein sollen. Wo es gewesen war, bevor diese Vagabunden, die sich selbst die „Gerechten Rebellen” nannten, sie entwaffnet hatten. Es war ihr Glück gewesen, dass Wribald sie erkannte hatte; sonst hätte sie als reguläre Jagdbeute demjenigen der Männer gehört, der sie zuerst gesehen hatte.
„Lass sie in Ruhe. Sie gehört mir!” Wribald griff nach Hollors Schulter, aber der schüttelte ihn ab wie ein lästiges Insekt. Der Rebellenführer trat näher auf Sondria zu und griff ihr unters Kinn.
„Du sollst sie in Ruhe lassen!” Plötzlich schwang Wribald das Kurzschwert, das Sondria gerade vermisst hatte. Sie sprang vorwärts, um ihm in den Arm zu fallen, aber Hollor gab ihr einen harten Stoß vor die Brust, dass sie rückwärts auf die schlammige Erde taumelte. In derselben Bewegung riss er den Arm hoch, packte seinen Bruder am Handgelenk und drehte es brutal nach unten. Wribald schrie auf und ließ das Schwert fallen. Hollor ließ jedoch nicht los, er drehte solange weiter, bis sein Gegenüber mit schmerzverzerrtem Gesicht vor ihm kniete. Dann beugte er sich langsam vor und zischte ihm ins Ohr: „Kleiner Bruder, sieh dich vor. Du hast gerade eben den wahrscheinlich letzten Raubzug dieses Sommers vermasselt. Statt der Dracheneier bringst du mir diese Ketzerin, deren Gesicht sogar der Heilige selbst kennt. Statt Gold bringst du mir Tod und Verrat ins Lager; sieh dich vor! Blut mag dicker sein als Wasser, aber wenn man ein rechtes Loch in dich hineinschlägt, läuft es doch munter genug heraus.” Er stieß noch einmal nach, drückte die Nase des Geschlagenen in den Matsch und stolzierte schließlich davon. Über die Schulter rief er: „Deine neue Sklavin sollte dir ein Bad bereiten.” Dann war er weg, und mit ihm seine Männer.
Stille legte sich über die Szene, aber schnell drängten die Geräusche des Lagers sich in ihr Bewusstsein. Es war durch eine Baumreihe ihrem Blick entzogen und erstreckte sich längs des Seeufers. Eine Weile lag sie einfach so da und lauschte dem Klingen der Waffen, dem dumpfen Geräusch der Schleifsteine, dem Schnauben und Trompeten der Drachen, dem Plappern der Männer, den Schreien der Frauen. Sie lag da, starrte in den Himmel und fragte sich zum wohl millionsten Mal, warum ihr Leben sich so verändert hatte.
Die feuchte Nase Haruns riss sie in die Gegenwart zurück, und über ihr stand breitbeinig Wribald, mit schlammtriefendem Haar, und streckte ihr eine Hand entgegen. Sie griff zu und zog sich hoch. Etwas bohrte sich unangenehm in die weiche Sohle ihres Stiefels - ihr Schwert. Sie bückte sich, hielt dann aber inne und richtete sich wieder auf.
„Nimm’s ruhig, du kannst es tragen. Ich - ich erlaube es dir.” Wribald rieb sich etwas Matsch von der Stirn. „Na los!”

***

Vor seinem Zelt saßen zwei Mädchen von etwa zehn Jahren. Eins stocherte lustlos im Feuer herum, über dem ein Topf hing, das Andere schnippelte Yok-Wurzeln. Keines blickte hoch, als Wribald die Plane zurückschlug und ihr bedeutete, sie solle eintreten. Als sie zögerte, ging er voran; Sondria folgte ihm schließlich. Drinnen war sie immerhin vor dem schneidenden Wind geschützt, der jetzt so hoch in den Bergen schon eisig pfiff.
„Du hast Sklaven?” Sondria deutete mit einem Kopfrucken nach draußen. Wribald nickte nur und drehte ihr den Rücken zu, bevor er hinter einer Trennwand aus dünnem Stoff verschwand um sich umzuziehen. „Ich dachte, ihr kämpft für die Freiheit“, rief Sondria ihm hinterher. Wribald murmelte etwas, das sie nicht verstehen konnte. Wahrscheinlich war es auch egal, und Freiheit hieß mal wieder Freiheit für diejenigen, die sie sich auch leisten konnten. Mit geraubtem Gold ... „Was will Hollor denn mit den Dracheneiern?”
„Sie verkaufen, was sonst?”
„Aber wer würde denn Dracheneier kaufen? Nur die Elfen können damit umgehen.”
„Dann liegt nahe, sie an die Elfen zu verkaufen, oder?”
Sondria schüttelte den Kopf. „Warum sollten die Elfen Dracheneier kaufen? Sie produzieren sie.”
Wribald schnaubte ungeduldig und kam hinter dem Vorhang vor. Er blickte auf sie nieder und stemmte die Fäuste in die Seiten. „Was will der Heilige mit den Dracheneiern?”
„Woher soll ich das wissen? Und was hat das jetzt mit uns zu tun?”
„Hollor klaut die Eier hauptsächlich, weil der Heilige so sehr dahinter her ist. Ich glaube nicht, dass er sich groß Gedanken gemacht hat, was er damit anfangen will, ehrlich gesagt. Aber ich habe Gerüchte gehört - von einem Pakt mit den Elfen, die westlich des Sees siedeln.”
„Ein Pakt mit Elfen?” Das wurde ja immer wilder. „Tut mir Leid, dass ich dir den Raubzug vermasselt habe.” (...)

Leseprobe aus: "Renntag in Kruschar". Episode: "Wetten und Rennen". Fantasy. E-book.

13.11.11

#SampleSunday - Il drago e la principessa

 Questo è la storia di una principesaa così spaventata dalla presenza di un drago nel suo regno, che manda i suoi cavalieri e soldati contro il drago. In vano gli elfi vogliono aiutarlo. Come andrà salvarsi? Forse con la fuga presso il nemico della principessa? 


La giovane scrittrice ha mantenuto il semplice linguaggio di bambini. Quindi il libro è adatto anche per bambini chi cominciano a leggere nelle prime classe delle elementari.
Oppure chi impara l'italiano come lingua straniera.
 
(...) Nel frattempo Puff fa la passeggiata nel bosco, e poi torna dallo scricciolo.
Lo scricciolo scende dal cielo, si siede sull’albero e dice: “Che bello, piove, il sole tramonta e gli altri uccelli si nascondono sotto le foglie.”

Jago Jory riflette sulle parole della principessa e comincia a preoccuparsi per il drago. L’elfo va al campo militare.
Le tende sono tante, i soldati sono tanti, e tanti i cavalieri.
Jago Jory vede anche la tela e si meraviglia.
I soldati e i cavalieri limano le spade e ne fucinano altre. Hanno archibugi, archi con frecce e delle lance. Indossano le loro cotte di maglia.
Iniziano a trascinare la tela verso la strada.
Jago Jory osserva tutto e poi se ne va.


***

I soldati prendono la tela e ci mettono dentro soldati e cavalieri: così fanno finta che sia una femmina di drago. Prendono posto in mezzo alla strada. Dopo un’ora arriva il drago. I soldati e i cavalieri escono per catturarlo.
Ma è troppo grande. Tutto spaventato riesce a scappare.
Allora i soldati e i cavalieri si chiedono come fare.
I soldati e i cavalieri cercano il drago. Attraversano metà del regno.
Da lontano Puff vede i soldati e i cavalieri con le lance, gli archibugi e le spade. Dice: “Ma cosa fanno qui?”
Puff va cercare un nascondiglio dietro le rocce e nelle montagne. E allora entrain fondo a una caverna. “Così non mi vedono; spengo le luci, e rimango qui al buio.”
I soldati e i cavalieri hanno seguito il rumore dei passi del drago. Finalmente trovano qualche traccia. Arrivano alla caverna ed entrano.
Un orso, che dorme nella caverna, si sveglia e dice: “Cosa fanno da me? Sono in letargo.“
Scott dice: “Scusa, non volevo svegliarti.“
L’orso dice: “Cosa fate qui?”
Giuseppe risponde: “Siamo in cerca del drago.”
L’orso dice: “Qui non c’è un drago.”
E i soldati e i cavalieri se ne vanno. (...)
Estratto da "Il drago e la principessa". Racconto fantastico di Caterina Nikolaus. E-book.
Lettura facile per bambini o principianti della  lingua.
E-book:  Amazon, Kobo, Smashwords, su tutti i siti locali di iTunesGoogle Play   Barnes&Noble, Xinxii ed altre piatta-forme.

Deutsche Ausgabe: "Der Drache und die Prinzessin" auf den gleichen E-Book-Plattformen

Nel frattempo, su Amazon si trova anche una edizione tascabile in italiano e tedesco

6.11.11

#SampleSunday - The Christmas Witch

At Amazon and at Angus and Robertson available also in print. 

NEW in India: e-book at Flipkart


“No, and again no!” Infuriated, Befana, the witch, beat her broom on the conference table. “I’ve been in business for nearly three thousand years. But so much false holiness has never occurred to me.”
“Befana, it was only a proposal to go abroad in the future.” The infant Jesus tried to appease her. “Nevertheless, it’s in your own interest to find new sales opportunities.”
“Hah! Now, after you have destroyed my local market, you come around with that! Countless generations of Italian children were happy and pleased with the presents I brought them on the 6th of January.”
“If they aren't satisfied any more, you should consider some innovations to promote the demand,” Santa Claus said.
“I don't need to consider this,” Befana hissed at him. “My presents are as good as ever. Respectable Trentine craft work. But you, you’ve got the children insatiable. First the infant Jesus with more and more pretentious Christmas presents! During the last centuries you’ve heated up the consumerism, dropping off the gifts already one month before me. And since some decades even Lucia crowds in, instead of remaining in her Sweden where she belongs.”
“Oh Befana, with much pleasure I would limit myself to the Swedish market. You don’t even have snow everywhere.”
“And in Italy it’s bright in winter, too,” Befana crowed. “Here no one needs your lights. – Consumerism excess – nothing but consumerism excess.”
Lucia burst into tears. “What should I do then? In Sweden, there’s electric light everywhere, in the houses and on the streets. My light party is only folklore for the tourists. I am less and less in demand.”
Di-ver-si-fi-ca-tion.,” Farmhand Ruprecht made himself important. “This would have been the right strategy. But you’ve missed the connection.”
“Yes, you super strategist!” Now Lucia became angry, too. “You and Santa Claus, you have rented reindeers and a sleigh, and under the cloak of the international understanding you have spread your legend of Santa Claus everywhere in the world.”
“Take it easy now, guys.” Infant Jesus sighed. “With all this squabbling, we won't get anywhere. Let’s return to the facts.”
“Aye,” Santa Claus said. “And fact is that in the course of general globalization, a cultural-overlapping demand for Christmas arose. Through the traditional forms of the labor organization we can't handle the demand any more.”
“And we’re particularly glad,” the Infant Jesus added, “that children of all religions believe in the Infant Jesus. Hence, we must go forward in a strategic and clever way so we won’t disappoint this faith.”
“Well, you have a whole army of Christmas angels,” Befana moaned. “In future they should drag presents instead of just singing ‘halleluiah’.”
“If you can't master your work any more, stay away from our home markets,” Lucia suggested. “I’ll intercede with the boss in your favor. Maybe in addition to the reindeers, he will grant you a few elks for the transport.”
“Elks? What do I want with elks,” Ruprecht protested. “Reindeers are our brand.”
“Phh.” Befana laughed contemptuously. “You talk about di-ver-si-ca-tion, yet you don’t want your own vehicle park be di-ser-vi-cized. - Jesus, what word! –You probably don't even know what it means!”
“It’s called di-ver-si-fi-ca-ti-on:  variety,” Ruprecht said.
“You are hypocrites, yes!” Lucia interrupted him. “Befana is quite right. First you expand everywhere, can't get enough. And now that you can't master all those orders in time, you want to link us to your carriage.” Lucia jumped up in anger and her candle wreath started to sway critically.
Santa Claus stood, too. He thumped his rod at the table: “What’s the matter now, Lucia? You have profited for ages by our globalization strategy. Your candle business registers two-digit growth rates every winter.” (...)
read on ...


 Sample from "Magical Stories". Short story collection. Print and e-book. English edition of "Magische Geschichten".
E-book available at Kobo, Google Play, Amazon Kindle USA, Amazon Kindle UK, Barnes&Noble, at Flipkart for India, Angus and Robertson, at the different iTunes-stores wordlwide and at Smashwords, other retailers in Germany and Italy, and also in the French "Boutique Kindle", the German Kindle Shop.

Print edition at Amazon in USA, UK and Europe, at Barnes&Noble USA and at Angus and Robertson  in Australia 


23.10.11

#SampleSunday - Das Feuerpferd

(...) Als das blendende Licht erlosch, nahm Silvana die Hände von den Augen und blinzelte. „Doriano, wo ist dieser Mann geblieben?“
Sie sah sich nach allen Seiten um. Feu verschwand gerade im Wald, doch von dem geheimnisvollen Fremden fehlte jede Spur.
Doriano rieb sich die Augen und wollte gerade antworten, da funkelte ihm etwas aus dem Schilf entgegen. Neugierig trat er näher. Es war ein silberfarbenes Band mit einem großen schillernden Anhänger. „Schau doch!“, rief er Silvana zu, während er es aufhob.
„Hast du wieder einen Kieselstein gefunden?“ Sie lächelte und griff nach seiner Hand. „Komm, wir müssen uns um Feu kümmern!“
Doriano steckte das Band in die Hosentasche und folgte ihr. Froh darüber, dass die Hufspuren zum Hof führten, interessierte ihn der Fremde nicht länger.

Erleichtert hörten die Geschwister von weitem Larissas Wiehern und die Antwort des Fohlens. Aber dann erspähten sie im Dämmerlicht des Stalls eine Gestalt neben Feu und der Stute.
Doriano blieb abrupt stehen. „Nicht schon wieder!“
Silvana schlich leise zur Tür – und lachte auf, als sie eintrat. „Federico, was machst du denn hier? Ich denke, du bist im Sommerpalast des Königs.“
Federico fuhr mit der linken Hand durch sein Haar. „Ich komme gerade zurück. Als ich die Rauchwolke über dem Tal stehen sah, bin ich sofort zu euch geritten.“
„Es war eine lange Nacht“, seufzte Silvana. Sie ließ sich auf einen Strohballen fallen und lehnte sich erschöpft gegen die Boxenwand. „Wenn es nicht wie aus Kannen gegossen hätte, wäre das ganze Haus abgebrannt.“
„Aber euch und den Tieren ist nichts passiert, nicht wahr? Und Larissa hat ein zauberhaftes Baby!“ Er strich dem Fohlen über den Rücken.
„Wir hatten Glück im Unglück“, bestätigte Doriano, der an der Tür stehen geblieben war.
„Gerade haben wir das Fohlen gesucht; es war das ausgerissen“, ergänzte Silvana leise und gähnte. Sie überlegte, ob sie den Zwischenfall mit dem Fremden erwähnen sollte, aber dann entschied sie, dass das warten konnte, bis sie ausgeschlafen waren. Wenn er sich weiter in der Gegend herumtrieb, würden ihn die Männer aus dem Dorf auch an einem anderen Tag finden. „Wieder einmal eine Nacht ohne Schlaf. Erst die Geburt von Feu, anschließend der Brand. Ich bin völlig erledigt. Keine Ahnung, wie es im Haus aussieht.“
„Dann kommt, Kinder!“ Entschlossen ging Federico voran. „Nehmt Wasser mit; es mag noch Brandnester geben.“
Sie gingen gemeinsam zum Brunnen und Federico reichte ihnen die Eimer, die sie füllten.
Vorsichtig betraten sie das Haus. Es stank nach Rauch und Verbranntem. Der grüne Treppenläufer hatte sich voll gesogen und sah fast schwarz aus. Im Treppenauge lagen angekohlte Trümmerstücke und darüber gähnte ein großes Loch. An der Wand sickerte Wasser entlang.
„Die Sonne wird schnell alles getrocknet haben.
In der Küche griff Federico nach einem Besen. Trotzdem er nur eine Hand hatte, gelang es ihm mühelos, ihn auszubalancieren. Er klopfte an mehreren Stellen gegen die Decke, aus der Feuchtigkeit quoll. Putz bröckelte herunter. „Gut“, meinte er schließlich. „Die scheint sicher zu sein. Die Küche könnt ihr benutzen.“
 ersten Stock. Dort war ein Teil der Decke eingebrochen. In Silvanas Bett stak ein verkohlter Balken. Ein großer Spiegel mit Intarsien lag zerschmettert am Boden.
„Oh nein! Mutters Spiegel!“ Bevor einer der Männer sie daran hindern konnte, den Raum zu betreten, kauerte sie davor. Sie rieb Ruß vom Rahmen und versuchte, ihn aufzurichten. Als sie den schweren Spiegel anhob, lösten sich einzelne Scherben und eine davon fiel auf ihren bloßen Arm. Sie stöhnte auf.
Im nächsten Augenblick stand Federico neben ihr. „Nicht weinen, Silvana. Das Glas kann man ersetzen. Du wirst sehen, er wird wieder wie neu.“
„Dann ist er aber nicht mehr derselbe.“ Erschöpfung und Müdigkeit brachen sich endlich Bahn und mit einem Schluchzen barg sie ihr Gesicht an seiner Schulter.
Federico zog sein Taschentuch hervor und wischte behutsam das Blut ab, das an ihrem Arm entlang sickerte. Doriano holte ein zweites aus einer Kommode. Er roch daran und verzog das Gesicht, verband aber trotzdem notdürftig die Wunde damit.
Dann sah er sich im Schlafzimmer um und goss über einem Teil des Deckenschutts das Wasser aus. Ein Blick nach oben sagte ihm, dass man den Dachstuhl wohl nicht betreten konnte. Dennoch lief er zum Brunnen zurück und füllte die Eimer neu.
Seine Vermutung bestätigte sich: Zuerst mussten die Trümmer beseitigt werden. Und der Teil des Daches, der noch stand, wirkte bedenklich baufällig. Auch wenn es eine nutzlose Geste war; in hohem Bogen schüttete Doriano das Wasser über die angekohlten Balken.

„Kommt, Kinder!“ Federico ging auf den Hof hinaus. „Wir lassen uns erst einmal von Teresa verwöhnen: Bis wir bei mir sind, wird sie das Mittagessen fertig haben. Inzwischen werden zwei meiner Leute Brandwache halten. Später helfen wir euch beim Aufräumen.“
Silvana und Doriano suchten halbwegs saubere Kleidung zusammen, sattelten zwei Pferde und folgten ihm.

***

„Miodio, miodio“, empfing die alte Teresa sie in der Küche des Weinguts. „So ein Unglück!“ Sie rang die Hände, als sie der zerzausten und verschmutzten Geschwister ansichtig wurde. „Das hast du gut gemacht, Federico, dass du sie hierher gebracht hast. Setzt euch, Kinder, setzt euch. Ihr werdet jetzt erst einmal tüchtig essen.“ Schnell schürte sie das Feuer im Herd und setzte einen Kessel auf. „Und Emma macht inzwischen heißes Wasser für euch. Gebt ihr eure Kleider; sie wird sie waschen und ausbessern. – Was hast du da am Arm, Kindchen?“ Sie zog Silvana an das niedrige Fenster. „Du bist ja verletzt. Auch das noch! Da werden wir uns gleich drum kümmern.“
Lächelnd wehrte Silvana sie ab. „Es ist bloß ein Kratzer!“
„Nein, nein, Kindchen! Mit all dem Dreck, das kann böse werden.“ Teresa öffnete die Tür zum Hof. „Emma, Emma! Wo steckt das Gör?“ Sie lief das kurze Stück zur Waschküche hinüber. „Emma, ich brauche dich! Und bring sauberes Leinen mit. – Rosalba! Mach die beiden Räume im Seitenflügel fertig.“ Anschließend deckte sie in Windeseile in der Küche den Tisch. „Ihr braucht erst einmal Ruhe nach dem Schrecken. Ist euer Haus überhaupt bewohnbar? Unsere Leute werden sich inzwischen um alles kümmern. Nicht wahr, Federico? – Silvana, nun setz dich endlich!“
„Silvanas Zimmer ist ein Trümmerfeld“, antwortete Federico. „Bleibt nur bei uns, bis der größte Schaden beseitigt ist. Wenn ihr ausgeschlafen habt, sehen wir weiter.“
Vom Schlafen wollten Doriano und Silvana nichts wissen. Nachdem sie gegessen und gebadet hatten, waren sie bereit zum Aufbruch. Ihre schmutzigen Kleider ließen sie in der Badestube liegen.

***

Rosalba stand schweißüberströmt und schimpfend am Waschzuber, als Emma die Kleidung der Geschwister brachte. „Noch mehr! Und alles bei dieser Hitze! Hat das nicht Zeit bis morgen?“, maulte sie und wedelte nachdrücklich den Wasserdampf vor ihrem Gesicht beiseite.
„Meinst du, morgen ist es weniger heiß? Der Sommer hat erst angefangen!“
„Was bist du wieder spitz!“ Rosalba verdrehte die Augen.
„Mach deine Arbeit“, fuhr Emma sie an und warf die Kleider in den Bottich.
Mit einem empörten Schnaufen schüttete Rosalba einen Eimer heißes Wasser nach. Dann zog sie Dorianos Hose aufs Waschbrett. Es klirrte leise. Neugierig beugte sie sich über den Zuber und sah eine Kette im Wasser niedersinken. Sie griff nach dem großen Anhänger. Da war ihr, als schaue sie daraus ein dunkles Auge an. Erschrocken fuhr sie zurück und ließ ihn wieder fallen.
„Was hast du?“, fragte Emma.
„N… nichts.“ Rosalbas Gesicht wurde noch röter als zuvor. „Ich … Das Wasser ist zu heiß.“
Kopfschüttelnd wandte sich Emma ab. „Dumme Pute“, sagte sie im Hinausgehen; laut genug, dass Rosalba es hören musste.
Rosalba wartete einen Augenblick, bevor sie erneut nach der Kette tastete. Wieder schien ihr, als starre sie durch den Dampf ein Auge an. Plötzlich ertönte ein leises Fauchen. Erschreckt blickte sie über die Schulter, aber von den Katzen war keine zu sehen.
Sie hielt das Amulett ins Licht, um es genauer zu betrachten: Es war ein schillernder dunkler Stein, der ungewöhnlich schwer in ihrer Hand lag. ‚Wie viel mag er wohl wert sein? Wenn ich ihn verkaufen könnte, ob ich genug Geld hätte, um von hier fortzukommen?’
Andächtig strich sie über das silberne Band. Da hörte sie ein Wispern. Blitzschnell versteckte sie die Kette in ihrer Schürze und eilte zur Tür. Aber niemand war auf dem Hof zu sehen. Sie schüttelte den Kopf und kehrte wieder an den Waschbottich zurück.

***

Am Gestüt angekommen, brachten sie die Pferde auf die Koppel. Doriano blickte zum Dach hinauf. „Federico und seine Männer haben ganze Arbeit geleistet.“ Zwischen Haus und Geräteschuppen lagen angekohlte Dachbalken und Ziegel aufgeschichtet. „Komm, Schwesterchen, schauen wir nach, was übrig geblieben ist.“
Die Sonne ging bereits unter und die alten Pinien warfen lange Schatten. Doriano öffnete das schwere Portal. Es quietschte in seiner Angel. „Das muss dringend geölt werden“, bemerkte er, als ob es nichts Wichtigeres gebe.
Silvana betrat zuerst die Wohnstube. „Schau, hier ist alles einigermaßen in Ordnung!“ Sie strich über die Anrichte und betrachtete den kleinen Rußfleck auf ihrer Hand.  „Wir könnten uns erst mal hier unten einrichten und danach die oberen Räume instand setzen.“ Sie ging zum Fenster und zog die Gardinen auf. „Die Vorhänge müssten allerdings abgenommen werden, sie stinken.“ Silvana rümpfte die Nase.
„Da muss noch einiges mehr gemacht werden.“ Unbemerkt war Federico ins Haus getreten. „Ich denke, das Dach werdet ihr komplett ersetzen müssen. Genauso wie Teile des ersten Stocks.“
„So schlimm?“ Silvana senkte den Kopf.
Federico ging zu ihr hinüber und fasste sie unters Kinn. „Kopf hoch. Das wird wieder werden. Ihr habt jetzt euer erstes Fohlen und notfalls bin ich auch noch da.“ Er legte den Arm um ihre Schulter.
Silvana beschlich ein seltsames Gefühl bei dieser Berührung. Verlegen suchte sie nach einer Antwort.
„Silvana, die Lebensmittel sind alle in Ordnung. Ach, Federico ...“ Doriano blieb im Türrahmen stehen und kniff die Augen zusammen.
Federico ließ Silvana los und trat einen Schritt zurück. „Ich habe meine Männer bereits nach Hause geschickt“, sagte er. „Ich muss jetzt auch wieder zurück. Wenn ihr Hilfe braucht, ihr wisst ja, wo ihr mich findet.“
Silvana schaute ihm versonnen nach, als er über den Hof ging. Trotz der fehlenden Hand schwang er sich mit Eleganz aufs Pferd.

„Ich gehe füttern. Kommst du mit?“, fragte sie ihren Bruder.
Doriano ging voraus, schob den schweren Riegel zurück und öffnete das Tor. Im Inneren des Stalls war es bereits dunkel. Die wenigen Pferde verhielten sich ungewöhnlich ruhig; sie vernahmen nur ein leises Scharren.
„Wo hast du die verdammte Laterne gelassen? Letzte Nacht hattest du sie noch.“
Es raschelte in der Ecke, in der Doriano die Laterne suchte. Ein Zinkeimer fiel polternd um.
„Doriano? Wo bist du?“ Silvana tastete sich langsam die Stallgasse entlang bis zur vierten Box, in der Larissa stand. „Doriano? Ich fürchte mich. Irgendetwas stimmt hier nicht.“
„Ja doch. Hier hinten bin ich. Dass du dir einfach nicht angewöhnen kannst, alle Dinge wieder an ihren Platz zu stellen.“
„Wieso ich? Du hattest sie zuletzt“, fauchte Silvana. Dann sprach sie leise weiter. „Larissa? Feu? Ich bringe euch frisches Stroh.“ Sie zog die Tür auf und betrat die Box. Die Stute schnaubte leise, als sie näher kam.
Plötzlich spürte Silvana einen warmen Windzug im Nacken und hatte das Gefühl, dass etwas ihren Arm streifte. Ihr Herz begann zu rasen.
„Doriano? Bist du das?“, flüsterte sie panisch. Sie bekam keine Antwort und wagte nicht, sich umzudrehen. Feu und die Larissa drängten näher zu ihr heran. Das Fohlen zitterte. Instinktiv presste Silvana ihren Körper an das Pferd. Und wieder – ein Windhauch, jemand berührte ihre Schulter. Sie erstarrte und hielt den Atem an. Plötzlich drückte ihr etwas die Kehle zu.
Feu stieg hoch, trommelte mit den Vorderläufen auf den Angreifer ein und schnaubte wütend. Der Druck auf ihren Hals lockerte sich. Sie verlor das Gleichgewicht und stürzte. Im Fallen hörte sie das dumpfe Stöhnen eines Mannes.
„Doriano! Doriano!“
Feu und Larissa wieherten abwechselnd. Da flackerte Licht auf, tauchte den Stall in Dämmer. Silvana sah eine Gestalt, die zum Ausgang rannte.
„Doriano, das war der Mann im braunen Umhang vom See. Er wollte mich umbringen! Was will er von uns?“ (...)

Leseprobe aus dem 3. Kapitel. Das Feuerpferd. 
Neu aufgelegt: Die Print-Ausgabe ist als Taschenbuch wieder bei Amazon erhältlich: auf allen europäischen und der amerikanischen Seite.
Als E-Book bei KoboGoogle Play, Smashwords; in allen Formaten, bei beam e-Books, bei Amazon im allen Kindle Shops, 
Apple (iTunes), Barnes&Noble (NOOK), und Xinxii 

Inzwischen gibt es "Das Feuerpferd" auch bei Thalia, Weltbild, Bertelsmann, Hugendubel , und vielen anderen Plattformen

16.10.11

#SampleSunday - Ustica

(...)
Laura fuhr in das Hotel, in dem die italienische Staffel wohnte.
Ein salopp gekleideter Mann diskutierte lautstark mit der Hotelsekretärin in der Portiersloge. Er war sehr bleich; an seiner Jeansjacke trug er einen Trauerflor. In sein Englisch flossen immer wieder italienische Satzbrocken ein; offensichtlich hatte er Schwierigkeiten, sich verständlich zu machen.
Laura schlenderte zum Kiosk neben dem Empfang. Im Vorbeigehen hörte sie, dass die Sekretärin ihn von einem der toten Piloten sprach. Aber während sie dann in den Zeitschriften blätterte, verstand sie nichts von dem Gespräch; sie war zu weit entfernt.
Schließlich verließ die Sekretärin die Rezeption und kam kurz darauf mit einem Koch zurück. Die beiden Männer begannen eine minutenlange Unterhaltung auf Italienisch, deren Ergebnis der Koch leise übersetzte.
Laura ging an die Bar und bestellte einen Rotwein. Sie setzte sich an die Ecke, sodass der Koch an ihr vorbeigehen musste, um in die Küche zurückzukehren. Als er dann kam, glitt sie mit dem Glas in der Hand schwungvoll vom Barhocker. Sie rempelte ihn an und der Wein ergoss sich auf ihr Kostüm.
Laura fluchte.
Der Koch starrte sie einen Moment an. „Scusi, Signora. Bitte, kommen Sie mit in die Küche; ich werde mich um den Fleck kümmern.“
Sie bemühte sich, zuerst deutlich verärgert auszusehen. Dann lächelte sie. „Danke. Versuchen wir es.“ Sie seufzte laut. „Ausgerechnet Rotwein.“
„Mit Salz geht der Fleck weg; Sie werden sehen.“

In der Küche ließ sie sich auf einem Klapphocker nieder. Der Koch kramte in einem Schrank und zog ein sauberes Geschirrtuch hervor.
„Ich heiße übrigens Laura Schreiner“, sagte sie, als er vor ihr in die Hocke ging. Da er sich daraufhin nicht gleichfalls vorstellte, fuhr sie fort: „Ich sah zufällig, wie Sie einem Landsmann als Übersetzer zu Hilfe kamen.“
Der Koch legte sich das Geschirrtuch auf die Knie. „Eigentlich kann die Sekretärin auch Italienisch, aber zurzeit ...“ Er blickte kurz auf, dann löffelte er Salz auf den Fleck.
Laura war gespannt, wie er auf ihre nächsten Worte reagieren würde. „Das Unglück gestern hat alle sehr mitgenommen.“
Er nickte. „Warum musste das ausgerechnet uns passieren!“
„Ja, warum?“, echote Laura. „Mein kleiner Sohn sagt, die italienischen Kunstflieger seien besser als alle anderen.“ Sie lächelte mütterlich-stolz. „Er kennt sich aus, wissen Sie, so klein, wie er ist.“
„Kinder sind klug; viel klüger als die Eltern.“ Ein Lächeln überzog sein rundes Gesicht. „Ich habe auch einen kleinen Jungen; er ist vier.“
„Meiner ist schon neun. Aber seine Schwester ist vier. Sie geht in den katholischen Kindergarten; vielleicht kennt sie Ihren Sohn?“
Der Koch rieb mit dem Geschirrtuch auf dem eingesalzenen Fleck herum. „Bestimmt. Übrigens, ich heiße Tarcisio.“
Laura wertete das als Signal, dass sie sein Vertrauen gewonnen hatte, und kam auf die Flieger zurück. „Der Gast an der Rezeption trug einen Trauerflor; ist er ein Verwandter der abgestürzten Piloten?“
Tarcisio nickte, während er das Salz von ihrem Rock streifte. „Sisi; und er ist sehr zornig, weil man ihm die Hinterlassenschaften verweigert hat. Man habe die Piloten zum Schweigen gebracht, sagt er.“
„Die Mafia wagt sich an die Luftwaffe? Und dann so? Das glaube ich nicht“, behauptete Laura.
„Nicht die Mafia; die Mafia ist ein kleines Licht gegen die.“
Sie ließ einen Augenblick verstreichen, bevor sie die nächste Frage stellte. „Aber wer war es dann?“
Der Koch erhob sich und stellte das Salzfass neben den Herd. Er kniff die Augen zusammen, als er sie wieder ansah. „Warum fragen Sie das eigentlich alles?“
Laura zögerte. Einen Moment zu lange wohl, denn der Koch runzelte die Stirn.
„Interessiert uns das nicht alle?“
„Warum, Signora?“ Der Koch kam einen Schritt näher und sah ihr eindringlich ins Gesicht.
„Sie haben mich neugierig gemacht“, wich sie erneut aus und lächelte.
„Sie lügen, Signora. Was machen Sie überhaupt hier im Hotel?“
 (...)

Leseprobe aus Ustica. Kurzkrimi. E-Book.
Erhältlich bei Kobo in den iTunes-Stores, auf GooglePlay,, bei Weltbild, Thalia, bei Amazon im  deutschen Kindle Shop und natürlich auch in allen anderen Ländern; bei Barnes&Noble,  und im Casa del Libro, bei Smashwords in allen gängigen E-Book-Formaten; und im Kindle-Format und ePub-Format auch bei beam e-books sowie auf Xinxii und 99cent-ebooks


9.10.11

#SampleSunday - Leuchtende Hoffnung. Adventskalender

In einer fernen Zukunft haben zahllose Kriege und Umweltkatastrophen die Welt zerstört. Hunger und Krankheiten haben die Menschen auf ihre Urinstinkte zurückgeworfen. Die wenigen Überlebenden quälen sich entweder als resignierte Einzelgänger durch endlose Winter. Oder sie irren als heimatlose Gestalten umher und versuchen, den Untergang allen Lebens zu beschleunigen. Erid haust seit drei Jahren einsam in einer Höhle. Seit er seine Gefährtin verloren hat, zählt für ihn nur das schlichte Überleben. Da taucht in der Ferne ein seltsames Licht auf. Am gleichen Tag sucht eine verletzte Wölfin bei ihm Schutz. In Erid kehrt die Neugier zurück. Merkwürdiges geschieht, während er mit der Wölfin durch Schnee und Frost den Ursprung des Lichts sucht; und immer wieder scheint die Wölfin klüger als er. Eine alte Frau, die ein Stück des gefahrvollen Weges mit ihnen teilt, lehrt Erid neues Vertrauen. Und schließlich begegnet er Miriam ...  

Ein Adventskalender für Science Fiction-Fans.

Jetzt auch als Taschenbuch erhältlich

Erid hockte in seiner Erdhöhle. Es tropfte von der Decke ins Feuer. Bei dem Gedanken, dass über ihm eine dicke Schneedecke lag und keine Aussicht auf Veränderung bestand, schüttelte er sich.
Sein Holzvorrat ging dem Ende zu; spätestens am Morgen musste er nach oben gehen. Fintenreich hungrigen Wölfen ausweichen auf der Suche nach Brennmaterial, das dann feucht war und ewig brauchte, bis er damit heizen konnte. Er stöhnte, als er daran dachte. Kratzte sich zwischen den dreckigen Zehen. Morgen würde er auch einen Eimer Schnee hereinholen, um eine Katzenwäsche zu veranstalten. Sein Erdbunker stank schon nach ihm. Er rümpfte die lange Nase.
Die Winter wurden immer länger. Jetzt musste ungefähr Anfang Dezember sein – mittlerweile konnte man mit acht Monaten Winter rechnen. Dabei war er ein absoluter Sonnenanbeter gewesen, der die Hitze liebte. Missmutig betrachtete er seine glanzlose braune Haut.
Von der Decke bröselte Erde auf seinen Kopf herunter. Da marschierten die Bisons wieder über ihm hinweg. Die Horde stampfte, alles vibrierte. Hoffentlich brach die Felsdecke nicht eines Tages ein. Sie würden ihn kurzerhand erdrücken.
Erid griff nach den Nussvorräten und klopfte ein paar Walnüsse mit einem Stein auf. Das Beben hörte auf und er seufzte erleichtert.
Dann bestieg er das Rad, das den Generator antrieb, um Musik zu hören. Während er gegen den Muskelschwund anradelte, lauschte er ergriffen Mozarts Requiem. Er hatte einige Schallplatten und den Plattenspieler hierher geschafft. Viele Nächte war er dafür unterwegs gewesen zwischen seiner Wohnung in der zerstörten Stadt und diesem Platz, der kilometerweit entfernt lag.
Die Höhle hatte Erid durch Zufall beim Wandern entdeckt. Damals lag der Eingang offen. Jetzt hatte er ihn mit Steinen getarnt. Aber immer, wenn er hinaus musste, überfiel ihn die Angst, sein Bau wäre anderweitig bewohnt, wenn er zurückkehrte. Bisher hatte er Glück gehabt.
Der letzte Satz des Requiems war zu Ende. Erid stieg vom Rad, legte sich aufs Bett aus Fellen, blies die Kerze aus.
Am Morgen rüstete er sich, um auf Holzsuche zu gehen. Vielleicht lief ihm auch ein Schneehase über den Weg, den er fangen konnte. Die Nüsse hingen ihm schon zum Hals heraus. Er räumte den Steinhaufen beiseite, der das Loch tarnte, und kroch nach draußen. Das gleißende Weiß ließ Erids Augen tränen. Er schlüpfte in die Riemen, die seine Schneeschuhe unter den Stiefeln hielten und machte sich auf den Weg.
Die Sonne verwandelte das vor ihm liegende Feld in Millionen Glitzerkristalle. Bei dieser Helligkeit würden die Wölfe wohl kaum aus dem Wald herauskommen, um ihn zu jagen.
Vorsichtig näherte Erid sich dem Waldesrand. Keinesfalls hatte er vor, tief hineinzugehen, aber das Bruchholz hier war nur spärlich vorhanden.
Er wagte sich zwei Meter weit zwischen die Bäume, den Blick wachsam auf die entferntere Umgebung gerichtet.
Deswegen übersah er eine Fichtenwurzel und verfing sich mit dem Schneeschuh darin, knallte der Länge nach hin. Als er aufstehen wollte, knickte der Knöchel weg. Den Schmerzensschrei unterdrückte er, biss sich auf die Lippen. Ängstlich blickte er in die Tiefe des Waldes, aber es war alles still geblieben. Er hinkte aufs Feld hinaus – wahrscheinlich hatte er sich ein Band im Knöchel gezerrt. Plötzlich hielt er an. Am Horizont, wo sonst das Blau des Himmels mit dem Schnee eine gemeinsame Linie bildete, war ein merkwürdiges rötliches Leuchten zu sehen.
Sollte das die Sonne sein? Kündigte sie das nahe Ende des Winters an? Erid vergaß den schmerzenden Knöchel und seine Brust weitete sich bei dem Gedanken an den Frühling. Vielleicht dauerte es nur noch kurze Zeit, bis die Wärme sich wieder für ein paar Monate über der Erde ausbreitete.
„Sonne, ich bete dich an“, flüsterte Erid, kniete nieder und hob die Hände.
So ein Blödsinn! Er rappelte sich wieder hoch.
„Wenn mich hier einer sehen könnte, der würde glauben, ich hätte einen an der Klatsche. Im Schnee knien und die Sonne anbeten. Der monatelange Winter hat meinen Verstand eingefroren.“ Frühling! Ebensolch ein Blödsinn. Es war doch erst Anfang Dezember. Woher sollte da der Frühling kommen?
Sicher, die Welt war verrückt, daran hatte man sich gewöhnt. Kriege, heilige, demokratische und machtgierige, gehörten zum Alltag. Millionen von Menschen waren gestorben, hinzu kamen Erdbeben, Flutkatastrophen und Seuchen. Die Medien hatten jeden Tag die Sterbeziffern gemeldet. Welche Namen standen hinter den Ziffern? Was waren es für Menschen gewesen, welche Wünsche, Hoffnungen, Ängste hatten sie gehabt? Viele von ihnen hatten gebetet. Weder Allah noch der christliche Gott hatten ihre Gebete erhört. Nun lagen sie unter der Erde und könnten sich damit trösten, dass sie nach allen Schrecken, die sie erlebt hatten, diese endlos langen Winter nicht ertragen mussten und nicht die Einsamkeit.
Und er ertrug sie schon seit Jahren. Drei Jahre Einsamkeit und monatelange Winter. Wie oft hatte er die Hoffnung verloren, wenn die Angst kam, dass der Winter nie aufhören würde. Wenn die Wölfe heulten und seine Essensvorräte fast aufgebraucht waren. Und dann wurde es doch wieder Frühling und mit ihm kam die Hoffnung zurück, dass es irgendwo jemanden geben könnte, der einsam war wie er und auf der Suche nach einer menschlichen Begegnung.
Und jetzt dieser Lichtstreifen am Horizont, der immer breiter und immer glühender wurde, als wollte er das Eis und den Schnee wegtauen. Ein Hoffnungsschimmer? Oder stand wieder ein Stück Welt in Flammen? Unwillkürlich schnupperte er, als könne er mit seiner langen Nase aus so weiter Entfernung Brandgeruch wahrnehmen.
Die Luft war klar und frostkalt. Sein Knöchel schmerzte.

3.12.
Erid beendete seinen Ausflug in die Gedankenwelt, stand auf und ging beladen mit dürren Ästen den Weg zurück zu seiner Höhle.
Plötzlich raschelte es nicht weit entfernt. Schnell duckte er sich hinter einen Felsvorsprung und legte die Zweige auf den Boden, ohne viel Geräusch zu verursachen. Ängstlich wagte er einen Blick hinüber zum Tannenwald.
Die Bäume waren längst nicht mehr grün. Vertrocknet, abgestorben, standen sie dicht aneinander gereiht und bildeten einen düsteren Kontrast zum Schnee. In der Ferne bewegte sich ein Schatten in dem rot leuchtenden Panorama.
Er kniff die Augen zusammen, um besser zu erkennen, was sich auf ihn zu bewegte. Ein Wolf! Angespannt drückte er sich dichter an den Stein; hoffentlich hatte der Wolf ihn noch nicht gewittert. Er fror, versuchte seine Hände zu reiben, die Zehen zu bewegen. Unendlich lange hockte er da.
Sollte er sich trauen, nochmals hinüber zu schauen? Er beugte sich vor. Erschrak und fiel rückwärts in den Schnee. Der Wolf stand unmittelbar vor ihm und taxierte ihn aus seinen gelbgrünen Augen. (...)

Leseprobe aus: "Leuchtende Hoffnung". Science Fiction-Roman als bebilderter Adventskalender. 
Als Taschenbuch: ISBN 978-1478319580. Bei Amazon.
Das E-Book ist erhältlich bei Amazon weltweit in allen Kindle Shops ( das "de" durch die jeweilie Länderkennung ersetzen); bei Smashwords in allen gängigen E-Book-Formaten; bei Kobo,  sowie auf Google Play, auf iTunes  und Feedbooks : und als PDF, im Kindle-Format und ePub-Format auch bei beam e-books sowie auf Xinxii